Sara Schätzl: Hungriges Herz - Mein Leben mit der Bulimie

Artikelnummer: 978-3-86265-445-1

Bereits als junges Mädchen fühlt sich Sara in ihrem Körper nicht wohl, empfindet sich als zu dick, zu hässlich - und zu wenig wert. Im Schatten ihrer perfekten Mutter und neben ihren hübschen Klassenkameradinnen geht sie unter ...

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Von überallher lächeln sie uns entgegen - spindeldürre Models, deren kindliche Maße als vollkommen gelten und als Natürlichkeit vermarktet werden. Seit Jahren gaukeln uns die Medien dieses verzerrte Bild des rundum perfekten Körpers vor und haben damit ein gefährliches Ideal geformt.

Wer diesem unnatürlichen Schönheitsideal nacheifert, rutscht nicht selten in eine Essstörung ab. Die Bulimie ist eine von ihnen; betroffen sind vor allem junge Frauen, deren krankhafte Angst vor einer Gewichtszunahme in die Ess-Brech-Sucht geführt hat. Nur selten wird die Krankheit frühzeitig erkannt, denn das Essverhalten von Bulimikern ist häufig normal bis kontrolliert reduziert, die Essattacken und das anschließende Übergeben erfolgen in aller Heimlichkeit. Da die Krankheit in der Öffentlichkeit noch weitestgehend unbekannt ist und Bulimie nach wie vor als Tabuthema behandelt wird, stoßen Betroffene häufig auf Ekel und Unverständnis.

Die Heilungschancen bei der Bulimie liegen schätzungsweise bei 50 bis 70 Prozent, allerdings kann auch nach überstandener Therapie ein angespanntes Verhältnis zum Essen bleiben - häufig ein Leben lang.

Bereits als junges Mädchen fühlt sich Sara in ihrem Körper nicht wohl, empfindet sich als zu dick, zu hässlich - und zu wenig wert. Im Schatten ihrer perfekten Mutter und neben ihren hübschen Klassenkameradinnen geht sie unter, sucht Halt in selbst gewählter Einsamkeit und schließlich in ihrem Essverhalten. Mit 14 Jahren entscheidet sie sich zum ersten Mal bewusst, sich nach dem Essen freiwillig zu übergeben - und entdeckt in der Bulimie eine Freundin, die ihr all das gibt, was Sara fehlt: Geborgenheit, Sicherheit, Kontrolle. Innerhalb kürzester Zeit ist Sara in der Sucht gefangen, ihre Gedanken kreisen Tag und Nacht um Essen und Erbrechen. Nach mehr als zehn Jahren und vor allem aufgrund der Geburt ihres Sohnes entscheidet sie, der Krankheit den Kampf anzusagen - sie begibt sich selbst in Therapie und schließt sich einer Selbsthilfegruppe in ihrer Wahlheimat Los Angeles an.

In HUNGRIGES HERZ erzählt Sara von ihrer Erkrankung und den schlimmsten Jahren ihres Lebens, aber auch davon, wann für sie der Wendepunkt kam und wie sie sich seither Stück für Stück zurück ins Leben kämpft. Ergänzt werden ihre persönlichen Memoiren durch Aufzeichnungen von Saras Mutter sowie von Freunden, die aus ihrer Sicht schildern, wie sie Sara und ihre Bulimie erlebt haben.

Leseprobe


Autor*in / Hrsg.: Sara Schätzl
Weitere Informationen: Umfang: 288 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 2 x 19 x 12.5 cm
Gewicht: 284 g
Erscheinungsdatum: 15.02.2015

~ LESEPROBE ~

"Ohne die Schwangerschaft würde ich nicht mehr leben" - Bericht von Sarah Schätzl in der Süddeutschen Zeitung

"Ich bin jetzt 27 Jahre alt und litt unter Bulimie, seit ich 14 war. Heute lebe ich gemeinsam mit meinem Sohn, den ich allein erziehe, in Los Angeles. Eigentlich stamme ich aus Donauwörth, ging aber mit 16 nach München und wollte unbedingt jemand sein. Wie das aussehen sollte, wusste ich nicht wirklich. Ich wollte zu den coolen Kids gehören, dem ganzen Old-Money, das es in München gibt. Ich wollte, dass mich jeder kennt, und irgendwann war ich dann auch im VIP-Bereich mit Alkohol für X-tausend Euro auf dem Tisch, den tollsten Kleidern, den teuersten Handtaschen. Jeder wollte mein Freund sein, doch ich habe nichts gefühlt. Das Nachtleben war meine Zufluchtsstätte mit sehr simplen Regeln, die mich in jedem Club zum beliebtesten Gast machten. Es ist immer die gleiche Oberflächlichkeit und der gleiche Small Talk, keiner fragt dich wirklich etwas. Wie denn auch bei dieser Lautstärke? Diese Barbie-Nummer machte mir am Abend zwei, drei Stunden Spaß, dann wollte ich die Farbe aus meinem Gesicht waschen.

Schlagzeilen zu machen, ist nicht schwer. Ich wusste genau, wann ich was zu sagen hatte, damit es gedruckt wird, damit jemand lacht, damit mich jemand mag, damit man mich mit meiner Präsenz auch in Ruhe lässt. Ich habe erst für mich und dann für die Medien eine Kunstfigur geschaffen, die mich geschützt hat. Die war alles, was ich nicht sein konnte. Die war sehr laut, unantastbar, gut gelaunt, immer witzig. Sie war meine hohe Mauer zwischen mir und der Welt. Sie beschützte mich zuverlässig, aber sie isolierte mich auch. Und hinter der Mauer gab es nur mich und die Essstörung. Mein sicherster Ort war die Couch mit mir und Essen, zugesperrter Tür und Handy auf lautlos. Der einzige Platz, an dem ich mich als ich selbst gefühlt habe.

Bulimie wurde zu meiner besten Freundin, meine selbst gewählte Droge. Ich hatte diese Krankheit zwölf Jahre, das ist keine Phase. Jetzt habe ich ein Buch darüber geschrieben. Geschrieben habe ich es für mich. Veröffentlicht habe ich es für andere. Ich habe damit während meiner Therapie gegen Essstörung angefangen, als ich noch krank genug war, ein süchtiges Gehirn zu haben, aber schon so weit, dass ich erkannt habe, dass ich krank bin. Ich wollte, dass man sieht, wie ein krankes Hirn funktioniert. Es ist ein Buch von jemanden, der sich selbst nicht geliebt hat und deshalb versucht mit der Anerkennung von Außen zu füllen, was man doch nur in sich finden kann. Eine ewige Trial-and-Error-Geschichte voller Enttäuschungen.
(...)"

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