Sarah Diehl: Die Uhr, die nicht tickt. Kinderlos glücklich. Eine Streitschrift

Artikelnummer: 978-3-7160-2720-2

Eure Ausreden zum Kinderkriegen sind narzisstisch und absurd.' Dabei kann eine Frau heute frei zwischen verschiedenen Lebensmodellen wählen. Dennoch dominiert in unserer Gesellschaft noch immer die Vorstellung, dass potentiell alle Frauen...

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Unverrückbar steht die Front zwischen Müttern und Nicht-Müttern: 'Man muss wahnsinnig sein, heute noch Kinder zu kriegen', hieß es im Januar 2014 in der FAS. Kurz darauf kam die Antwort: 'Ruhe, ihr Jammerfrauen! Eure Ausreden zum Kinderkriegen sind narzisstisch und absurd.'

Dabei kann eine Frau heute frei zwischen verschiedenen Lebensmodellen wählen. Dennoch dominiert in unserer Gesellschaft noch immer die Vorstellung, dass potentiell alle Frauen den Kinderwunsch in sich tragen. Kein Kind zu wollen, gilt als unnatürlich, egoistisch oder feige.

Sarah Diehl, Mitte 30 und selbst kinderlos, hat Frauen interviewt, die freiwillig keine Mütter sind. Sie hat erfahren, dass die Gründe vielfältig sind, Egoismus oder Narzissmus gehören nicht dazu. Ihr Buch ist das überfällige Plädoyer für eine vorurteilsfreie und zeitgemäße Einstellung zu Mutterschaft und weiblicher Identität.

Autor*in / Hrsg.: Sarah Diehl
Familienthemen: kinderlos
Details: Umfang: 271 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 2 x 20.4 x 12.2 cm
Gewicht: 304 g
Erscheinungsdatum: 22.10.2014

Rezension auf dem Blog TEXT-ZONE:

Wie man Frauen die Fähigkeit abspricht ihr eigenes Glück zu finden

In die aktuelle und anhaltende Debatte über Chancengleichheit der Geschlechter und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie mischt sich mit Sarah Diehls Streitschrift ein Aspekt unter, der bis jetzt vernachlässigt wurde: Die gesellschaftliche Rollenerwartung an Frauen.

Während die Politik verzweifelt versucht, Frauen attraktive Angebote zu machen um die Kinderbereitschaft zu erhöhen, verschleiert sie ein ideologisches Denkkorsett, das immer noch den Mainstream beherrscht: die Unfähigkeit Weiblichkeit und Mutterschaft getrennt zu denken. Erst neulich erschien ein Artikel in der Zeit, der wieder mal die rückgehenden Geburtenzahlen feststellte und dies auf die Entscheidung von Frauen zurückführte. Warum eigentlich immer nur die Frauen?

Sarah Diehl benennt diesen fragwürdigen Verquickung und bringt es auf den Punkt: Nur weil Frauen potenziell Mütter werden können, heißt das doch nicht, dass sie erst dann gute oder richtige Frauen sind, wenn sie dieses biologische Potenzial auch ausleben. Sie kritisiert, dass Kleinfamilie immer noch als das ideale Ziel einer linearen Lebensführung verstanden wird, in der Frauen die Hauptlast tragen und für den Erfolg oder Misserfolg des Familienschicksals maßgeblich die Verantwortung tragen. Eine Überforderung, die viele Frauen an ihre Grenzen treibt.

Die Rede von der "tickenden Uhr" entlarvt die Autorin als eine biologistische Argumentation, die es der Gesellschaft einfach macht, Aufgaben wie Kindererziehung, Haushaltsführung und familiäre Fürsorge als unbezahlte Tätigkeit Frauen zu überlassen. Es gibt also einen evidenten Zusammenhang zwischen der Tatsache, dass Frauen mit dem Argument der zeitlich beschränkten Fruchtbarkeit unter Druck gesetzt werden und dem Ideal der Mutter und Hausfrau. Der Zusammenhang besteht in der unhinterfragten Annahme, dass Frauen qua ihrer Natur eine gewisse Rolle zu spielen haben und erst damit ein "glückliches" und "erfülltes" Leben führen können.

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Rezension von Elfriede Harth auf beziehungsweise-weiterdenken:

Wenn ich Sarah Diehls Buch: Die Uhr, die nicht tickt. Kinderlos glücklich. Eine Streitschrift, mit nur einem Satz kommentieren sollte, würde ich sagen, es ist ein feministisches Plädoyer für Pluralismus in Solidarität. Ohne jemals den auf diesem Blog so grundlegenden Begriff des weiblichen Begehrens zu verwenden, schreibt sie eine flammende Verteidigung desselben.

Frauen sollen auf ihre innere Stimme hören, wenn sie Entscheidungen treffen in ihrem Leben. Auf die Stimme, die ihnen sagt, was ihr innerster Herzenswunsch für sich selbst ist. Sie sollen den Mut haben, auch gegen Druck aus dem näheren und weiteren Umfeld, also Familie, Tradition, Mode, Medien, Religion oder "Politik" den Weg einzuschlagen, der diese Sehnsucht ernst nimmt und ihr Raum gibt.

Frau ist nicht gleich Mutter und Mutter ist nicht gleich Frau. Im Laufe eines Jahres führt Sarah Diehl zum Thema Lebensentwurf zahlreiche Interviews und Gespräche mit ganz unterschiedlichen Frauen (und einigen wenigen Männern). Dabei trifft sie immer auf ein gesellschaftliches Dogma, das für alle Beteiligten belastend ist: Zum "vollendeten Frausein" gehöre die Mutterschaft und ohne (biologische) Mutter könne kein Kind gedeihen und zu einem Menschen werden, dessen Leben gelingt.

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Rezension von Mira Sigel auf dem Blog Störenfriedas:

"Ja, ich kann ohne Tränen in den Augen an einem Laden vorbeigehen, in dem entzückende Kleidchen und Hemdchen und Bärchen mit Knopfaugen an mein Mutterherz appellieren, um den tiefen Wunsch nach höchster Erfüllung meiner Weiblichkeit postwendend in einen Kaufimpuls umzuwandeln. Und ja, ich bin Mitte dreißig, kinderlos und habe eine akademische Ausbildung. Ich bin also eine jener ichbezogenen, kinderfeindlichen, egoistischen und hedonistischen Frauen, die seit einiger Zeit gegen Mütter in Stellung gebracht werden. Eine Latte-macciato-Kinderlose sozusagen. So weit, so erwartbar. Doch ich muss Sie enttäuschen. ich finde Kinder nämlich wunderbar", schreibt Sarah Diehl im Vorwort zu "Die Uhr, die nicht tickt  kinderlos glücklich. Eine Streitschrift." In ihrem Buch widmet sie sich der Frage, warum immer mehr Frauen in Deutschland kinderlos bleiben. Sie analysiert die hinderlichen Begleitumstände von schlechter Betreuung zu geringeren Karrierechancen und ungleich verteilter Sorgearbeit, doch der wirkliche Grund für Frauen, die freiwillig kinderlos bleiben, ist nicht etwa die Karriere oder blanker Egoismus, sondern schlicht, dass sie jenen angeblich angeborenen Mutterinstinkt, der Frauen ständig unterstellt wird, gar nicht verspüren. Sie mögen Kinder, finden es gut, wenn Freunde und Verwandte sie bekommen - doch sie selbst wollen einfach keine. Und obwohl das ihre ureigenste Entscheidung ist, finden sie sich ständig in der Situation wieder, sich genau dafür rechtfertigen zu müssen.

» weiterlesen auf diestoerenfriedas.de

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