Sefi Atta: Nur ein Teil von dir

Artikelnummer: 978-3-7795-0473-3

Die Nigerianerin Deola ist 39 und hat viel erreicht. Sie arbeitet in London als Wirtschaftsprüferin internationaler Hilfsorganisationen, ihr Job ist anspruchsvoll und einträglich. Dennoch ist sie nicht wirklich glücklich...

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Eine berührende Geschichte aus der Generation "Afropolitan".

Die Nigerianerin Deola ist 39 und hat viel erreicht. Sie arbeitet in London als Wirtschaftsprüferin internationaler Hilfsorganisationen, ihr Job ist anspruchsvoll und einträglich. Dennoch ist sie nicht wirklich glücklich. Sensibel und aufmerksam wie ein Seismograph nimmt sie täglich die Ignoranz ihrer Mitmenschen gegenüber der afrikanischen Wirklichkeit in beiläufigen Worten und Gesten wie haarfeine Stiche wahr.

Als Deola beruflich nach Nigeria fliegt, sieht sie ihre Familie und Freunde wieder, und die Reise wird zum Prüfstein für ihre Gefühle. Sie muss sich den Erwartungen der Familie entziehen, deren Vorstellungen von einem erfüllten Frauenleben immer noch untrennbar mit Ehe und Mutterschaft verbunden sind. Auch wird sie wieder mit der Wirklichkeit des Lebens im Moloch Lagos konfrontiert, und so steckt sie fest zwischen den beiden Anteilen ihres Lebens.

Der One-Night-Stand mit Wale macht ihr Leben nicht eben leichter, denn es gibt einen ärgerlichen Unfall und Deola füchtet beides: HIV und Schwangerschaft. Deolas Reise bringt alles in Bewegung, und am Ende fällt sie eine Entscheidung, die ihr Leben in neue Bahnen lenkt.

Autor*in / Hrsg.: Sefi Atta
Belletristik: zeitgenössischer Roman
Literatur zu: Migration und Exil
weitere Themen: Schwarze Frauen
Weitere Informationen: Originaltitel: A bit of difference
Übersetzt von: Eva Plorin
Umfang: 345 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 3.5 x 21 x 13.5
Gewicht: 523 g
Erscheinungsdatum: 19.08.2013

Rezension von Clara Woopen auf AVIVA-Berlin:

Die junge Nigerianerin Deola Bello wäre fast eine normale, moderne Frau im Getriebe der Londoner Leistungsgesellschaft, wenn sie sich nicht andauernd so "fremd" fühlen müsste und würde.

Da war die Lehrerin in der Schule, die von ihr erwartete, zum Schuljahresabschluss "Bingo Bango Bongo, we belong back in the jungle" zu singen und ihr versicherte, es sei bloß Satire. Am Flughafen wird sie besonders streng kontrolliert, im Büro wird sie ganz selbstverständlich für die Hilfskraft gehalten und eine Kollegin spricht von AfrikanerInnen als "diesen Menschen, die eh schon gestraft genug sind".

In ihrem dritten Roman versetzt Sefi Atta ihre nigerianische Protagonistin zum ersten Mal ins Ausland, wo diese nicht nur die Selbstwahrnehmung Nigerias und der NigerianerInnen wahrnimmt, sondern auch die "Fremd"wahrnehmung der westlichen Welt und die sozialen Beziehungen mit ihr. Es gelingt Sefi Atta den europäisch-afrikanischen Kontakt in einigen eindringlichen Statements zu kommentieren, die den LeserInnen nicht mehr aus dem Kopf gehen. "Ist nicht unsere ganze Existenz als Afrikaner postkolonial?" legt sie Deola in den Mund, als sich ein befreundeter Schriftsteller über seine afrikanischen KollegInnen beschwert, die Afrika so darstellen wie es die EuropäerInnen von ihnen erwarten. Kritik an Entwicklungshilfe fehlt an dieser Stelle natürlich nicht - Deola arbeitet als Wirtschaftsprüferin für eine Hilfsorganisation und erlebt das exotisch-bemitleidenswerte Bild, das sich ihre KollegInnen von Afrika konstruiert haben.

Die Biographien in Deolas Familie und Freundeskreis erzählen hingegen reale Geschichten aus dem Leben und Alltag als NigerianerInnen in Nigeria und im Ausland. Die Freundinnen der Mutter, die Deolas Karriere kritisch beäugen und ihr stattdessen eine eigene Familie wünschen, gehören in dieses Bild ebenso wie der Neu-Londoner Bandele, der als oyinbo (Weißer, verwestlicht) verspottet wird und den südafrikanischen Schriftsteller J. M. Coetzee verehrt. Erziehung, die Bedeutung sozialer Netzwerke, Religion und Geschlechterrollen reflektiert Deola lebhaft mit Hilfe von Anekdoten aus ihren zwei Lebenswelten. Ihre Sicht auf die Dinge steht dabei zwischen ihrer nigerianischen Herkunft und ihrer englischen Prägung, eine Synthese gelingt ihr eher weniger. Sie hinterfragt die Frauenrolle, die in Nigeria mit Nachdruck von ihr erwartet wird, im Laufe der Jahre jedoch akzeptiert sie sie, allerdings wiederum nur teilweise. Ihre Beziehung mit einem Nigerianer, der eine ähnliche Doppelexistenz führt, vermengt nigerianische und europäische Werte.

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