Shamim Sarif: Die verborgene Welt

Artikelnummer: 978-3-930041-60-2

Pretoria, Südafrika in den fünfziger Jahren. Die junge Inderin Amina führt mit einem Schwarzen ein Cafe. Das ist unerhört und offiziell verboten. Die Eltern lassen ihre eigensinnige Tochter gewähren. Doch für die Großmutter ist es ein Unding, dass Amina mit Anfang 20 noch nicht verheiratet ist...

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Pretoria, Südafrika in den fünfziger Jahren. Die junge Inderin Amina führt mit einem Schwarzen ein Cafe. Das ist unerhört und offiziell verboten. Die Eltern lassen ihre eigensinnige Tochter gewähren. Doch für die Großmutter ist es ein Unding, dass Amina mit Anfang 20 noch nicht verheiratet ist. Sie schickt sich an, ihre Enkelin unter die Haube zu bringen. Doch Amina hat ihren eigenen Kopf ...

Miriam hingegen ist eine fügsame indische Ehefrau. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern draußen vor der Stadt in einem alten Farmhaus. Die Stille ist endlos, die Einsamkeit unerträglich, die Zukunft scheint trostlos. Bis Miriam eines Tages Amina begegnet - dem ersten Menschen, der ihr nach vielen Tagen ein strahlendes Lächeln schenkt ...

Amina beginnt Miriam behutsam zu umwerben. Doch diese ist es nicht gewohnt, aufzubegehren und ihren Gefühlen zu folgen. Hat die Liebe der beiden Frauen in dem traditionsverhafteten, von Apartheid geprägten Land eine Chance?

''Ein eindrucksvolles Debüt'', so die britische 'Times', das an 'Grüne Tomaten' erinnert - angerichtet auf indische Art.

Autor*in / Hrsg.: Shamim Sarif
Belletristik: erotische Literatur historischer Roman
Literatur zu: Migration und Exil
Weitere Informationen: Originaltitel: The World Unseen
Übersetzt von: Andrea Krug 
Umfang: 299 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 3 x 18.8 x 12.5
Gewicht: 360 g 
Erscheinungsdatum: 22.10.2007

Als Amina ihr Tagewerk vollbracht hatte, war es draußen beinahe dunkel, und der Regen setzte ein. Sie spürte, wie die ersten Tropfen ihr Gesicht trafen, als sie zum Himmel hinaufschaute, und sie verteilte sie dankbar auf ihrer heißen Stirn. Sie hatte gearbeitet, bis sie kaum noch die Hand vor Augen sehen konnte. Miriam hatte immer mal wieder hinausgeschaut und gesehen, wie Amina schuftete - wie ihr das Hemd von der zunehmenden Schwüle an Rücken und Rippen klebte. Die Kinder hatten ihre Hausaufgaben gemacht und waren fast mit dem Abendessen fertig, als Amina an der Hintertür klopfte. Miriam öffnete. Ihr wurde ein schmales, ledergebundenes Buch hingehalten.
»Was ist das?«, fragte sie.
»Gedichte. Ich bin fürs Erste fertig damit. Sie können sie haben.«
Miriam war neugierig und berührte das Buch, nahm es jedoch erst, als Amina es ihr in die Hand drückte.
»Das kann ich nicht annehmen ...«
»Wieso? Lesen Sie denn nicht gern?«
Miriam sah auf und lächelte mit leuchtenden Augen. Es war, als sei ein Funke entfacht.
»Ich lese sehr gern. Früher zumindest ... Früher habe ich viel gelesen.«
Sie erinnerte sich plötzlich an eine kleine abgenutzte Kiste mit Büchern, die sie aus Bombay mitgebracht hatte, eine zusätzliche Kiste, die sie nicht über das Meer hätte mitschleppen sollen, die ihr aber Trost gespendet hatte. Das letzte Mal hatte sie sie im Haus ihrer Schwiegerfamilie in Pretoria gesehen, aber damals war sie vor lauter Kochen, Putzen, Kinderbetreuung nicht dazu gekommen, sie auch nur zu öffnen. Sie fragte sich, was aus den Büchern geworden war.
Amina lehnte sich gegen den Türrahmen. »Nehmen Sie es«, sagte sie. »Ich habe genug Bücher.«
»Ach, ja? Wo bekommen Sie sie her?«
»Mal hier, mal dort.«
»Kommen Sie herein und essen Sie etwas«, bot Miriam an. »Sie müssen hungrig sein.«
Amina schüttelte den Kopf. »Danke, aber ich sollte zum Essen zu meinen Eltern fahren. Ich habe sie lange nicht gesehen.« Sie warf einen Blick auf ihre Armbanduhr, ein großes messingfarbenes Rund an einem abgetragenen weichen Lederriemen. Die Uhr ließ ihr Handgelenk schmal und zerbrechlich erscheinen, und einen Moment war Miriam verwundert, dass dieselben Hände da draußen ein so große Stück Land bezähmt hatten.
»Ich sollte besser gehen. Danke für das Mittagessen und die Getränke«, sagte Amina.
»Gern geschehen. Danke für das Buch.«
»Wir sehen uns morgen?«, fragte Amina.
»Ja«, sagte Miriam. »Wir sehen uns morgen.«

»Ein eindrucksvolles Debüt!«
The Times

»Die verborgene Welt (...) ein sehr gut geschriebener, hervorragend zu lesender, ja unterhaltsamer und oft sogar witziger Roman, der lebendige Charaktere schildert, absurde Situationen und große Gefühle mit der anschaulichen Beschreibung des Lebens in Südafrika zu Beginn der Apartheit verbindet.«
Gertrud Lehnert, DeutschlandRadio Kultur

»Sehr leise, sehr unaufgeregt erzählt die Autorin von der sachten Annäherung zweier in Lebensweise und Temperament vollkommen unterschiedlicher Frauen und schafft einen hinreißenden und berührenden Roman.«
Franzis Hensch, Buchhandlung Her?s

»Ein absoluter Lesetipp.«
Miriam Link, lesarion.de

»Es ist spannend, welche Familiengeheimnisse zu Tage treten, wie Skandale totgeschwiegen werden, was Gerede aus dem Verborgenen hervorzerren will ... Und es ist geradezu erschütternd, wie grenzenlos der Hass ist, der Menschen entgegenschlägt (und keineswegs nur verbal!), die Tradition und Rassenschranken überwinden wollen und damit 'Unehre' über ihre Familien bringen (...) Trotz alledem ist Die verborgene Welt kein deprimierendes Buch, aber eben auch - zum Glück - keine schwüle Love-Story unter der sengenden Sonne Afrikas. Der Autorin ist es gelungen, ein atmosphärisch dichtes und glaubwürdiges, ein lebendig-eindrucksvolles Bild von der Welt ihrer Protagonistinnen zu zeichnen, und dabei meistert sie so manche Gratwanderung: Sie beschönigt nicht, dramatisiert aber auch nicht; sie berührt, ohne rührselig zu werden; sie erzählt sensibel, ohne in Sentimentalität abzugleiten. Mit anderen Worten: ein rundum gelungenes Debüt!«
Aviva-Berlin, Das Frauen-Online-Magazin

»Shamin Sarif zeichnet in ihrem Erstlingsroman Die verborgene Welt ein Südafrika der Apartheid und zugleich strikter Rollenvorschriften für beide Geschlechter. (...) Ihre sehr genaue und zugleich poetische Sprache, die Andrea Krug hervorragend ins Deutsche übersetzt hat, ist ein besonderes Verdienst dieses Romans, der behutsam und eindringlich, jedoch nie aufdringlich wichtige politische Themen anschlägt und zugleich das Abgleiten in gängige Lesbenromanklischees vermeidet. Ein sehr gelungenes literarisches Debüt!«
Gudrun Hauer, WeiberDiwan

»Das literarische Debüt kann man schlicht ein Meisterwerk nennen. Zu Recht wurde die Geschichte bereits verfilmt.«
Andrea Winter, L-MAG

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