Shumona Sinha: Erschlagt die Armen!

Artikelnummer: 978-3-89401-820-7

Der Skandalroman aus Frankreich über die Unlebbarkeit des Asylsystems, erzählt in verstörend schönen Bildern.

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Der Skandalroman aus Frankreich über die Unlebbarkeit des Asylsystems, erzählt in verstörend schönen Bildern.

'Erschlagt die Armen!' ist Titel eines Prosagedichts von Charles Baudelaire, und die Protagonistin dieses Romans scheint ihn wörtlich genommen zu haben: Die junge Frau schlägt einem Migranten in der Metro eine Weinflasche über den Kopf und findet sich in Polizeigewahrsam wieder. Dort soll sie sich erklären:

Was treibt eine dunkelhäutige Frau indischer Abstammung, die in der Asylbehörde als Dolmetscherin zwischen Asylbewerbern und Beamten vermittelt, zu einer solchen Tat? Täglich übersetzt sie das Jammern und die Lügen der Asylbewerber, deren offensichtliches Elend der Behörde nicht reicht - und ist angewidert vom System, deren Teil sie geworden ist. Als Migrantin bleibt sie fremd in den Augen der Beamten, aber auch für ihre ehemaligen Landsleute ist sie fremd - als eine, die es geschafft hat. Schließlich scheint es auch für sie in der menschengemachten Enge der Welt keine andere Begegnung als den Angriff zu geben.

Erschlagt die Armen! ist ein zorniger Roman, der in kraftvoller, bilderreicher Sprache aufrüttelnde Fragen zu Identität und Zusammenleben in einer globalisierten Welt stellt.

ausgezeichnet mit:
- Prix Valéry Larbaud 2012
- Prix du Roman Populiste 2011
- Shortlist des Prix Renaudot und Prix Médicis

Leseprobe


Autor*in / Hrsg.: Shumona Sinha
Literatur zu: Migration und Exil
Weitere Informationen: Originaltitel: Assommons les pauvres!
Übersetzt von: Lena Müller 
Umfang: 128 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 1.5 x 21 x 13 cm
Gewicht: 256 g
Erscheinungsdatum: 26.08.2015

~ LESEPROBE ~

Rezension von Markus Baumgartner auf kritisch-lesen:

Kämpfen statt betteln: Mit einer verstörenden Handlung erzählt Shumona Sinha vom Elend jener Flüchtlinge, die nicht als "politisch verfolgt" gelten und von der gnadenlosen Logik des europäischen Asylsystems betroffen sind.

Einem migrantischen Fahrgast wird in der Pariser Metro eine Weinflasche auf den Kopf geschlagen. Der Angreifer: kein weißer Rassist. Sondern eine selbst aus Indien nach Frankreich migrierte Dolmeterscherin der französischen Asylbehörde OFPRA. Die namenlose Erzählerin und Protagonistin des Romans ist wütend auf lügende Asylbewerber_innen, für die sie deren Antragstellung übersetzen muss. Wie es zu dieser Eskalation kommt, beschreibt Shumona Sinhas in "Erschlagt die Armen!".

Das Buch ist ob dieser Geschichte zugleich ein Skandal wie auch Verkaufserfolg. Bereits 2011 im französischen Orginal erschienen und mit diversen Preisen ausgezeichnet, liegt es nun vier Jahre später in deutscher Übersetzung im linken Verlag Edition Nautilus vor. Und auch hier hat der Roman sofort eingeschlagen: begeisterte, gar euphorische Besprechungen in fast allen großen bürgerlichen Zeitungen und bei Radiosendern. Eine "Pflichtlektüre zur aktuellen Flüchtlingsdiskussion" nennt es der WDR, auch für andere ist es der ?Roman zur Stunde" (Funkhaus Europa). Die erste Auflage war in kürzester Zeit ausverkauft. Während sich auffallend wenige Rezensionen in linken Zeitungen finden, wird "Erschlagt die Armen!" dagegen in der Sezession, einem der Blätter der Neuen Rechten, gleichfalls positiv besprochen. Und selbst auf der Hetzseite PI-News findet sich ein Buchhinweis.

Was ist also ist dieser Roman? Ein Aufruf zu Gewalt gegen Flüchtlinge oder zumindest ihre Legitimation? Möglich gemacht dadurch, dass hier kein_e Weiße_r die Weinflasche geschwungen hat? Nein, so einfach ist es nicht. Nur wer sich nicht ernsthaft auf den Text einlässt, kann zu solchen Schlußfolgerungen kommen. Vielmehr ist das Buch ein wütender Angriff auf die auch in Deutschland betriebene Trennung von Flüchtlingen in legitime, weil politische und illegitime, so genannte "Wirtschaftsflüchtlinge". Dem Elend entkommen zu wollen, reicht weder in Frankreich noch in Deutschland für einen positiven Asylantrag. Und damit beginnt für einige die Notwendigkeit, um des eigenen Bleiberechts willens zu lügen

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