Terézia Mora: Das Ungeheuer

Artikelnummer: 978-3-630-87365-7

'Solche Geschichten gibt's, zu Hauf. Ingenieur gewesen, Job verloren, Frau verloren, auf der Straße gelandet': Kein außergewöhnliches Schicksal vielleicht auf den ersten Blick, doch Terézia Moras Romanheld Darius Kopp droht daran zu zerbrechen...

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Eine der wichtigsten Gegenwartsautorinnen

'Solche Geschichten gibt's, zu Hauf. Ingenieur gewesen, Job verloren, Frau verloren, auf der Straße gelandet': Kein außergewöhnliches Schicksal vielleicht auf den ersten Blick, doch Terézia Moras Romanheld Darius Kopp droht daran zu zerbrechen. Denn Flora, seine Frau, die Liebe seines Lebens, ist nicht einfach nur gestorben, sie hat sich das Leben genommen, und seitdem weiß Darius Kopp nicht mehr, wie er weiter existieren soll. Schließlich setzt er sich in seinen Wagen, reist erst nach Ungarn, wo Flora aufgewachsen ist, und dann einfach immer weiter. Unterwegs liest er in ihrem Tagebuch, das er nach ihrem Tod gefunden hat, und erfährt, wie ungeheuer gefährdet Floras Leben immer war - und dass er von alldem nicht das Geringste mitbekommen hatte.

Arbeit und Schlaf, Arbeit, Arbeitsweg und Schlaf. So sah das erfolgreiche Leben von Darius Kopp aus. Bis er eines Tages den Job verlor. Und bis sich bald darauf seine Frau das Leben nahm und ihm zum zweiten Mal in kürzester Zeit der Teppich unter den Füßen weggezogen wurde. Seitdem lebt er apathisch dahin, tötet die Zeit mit stumpfem Fernsehen und Fertigpizzen. Sein Freund Juri versucht Darius zwar wieder zurück in sein altes Leben als IT-Experte zurückzubefördern, doch dieser beschließt, eigene Wege zu gehen. Er wollte doch das geheime Tagebuch seiner Frau lesen, und er muss auch noch ihre Urne beisetzen. Aber wo? In ihrem ungarischen Heimatdorf oder in Budapest oder an den Hängen des Ararat? Und so begibt sich Darius Kopp auf eine lange Reise - auf der Suche nach der Wahrheit über seine Frau. Über sich selbst. Und über diese dunkle und ungeheuere Welt.


Autor*in / Hrsg.: Terézia Mora
Belletristik: zeitgenössischer Roman
Weitere Informationen: Umfang: 684 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 4.7 x 22 x 14.7
Gewicht: 798 g
Erscheinungsdatum: 02.09.2013

~ LESEPROBE ~

Rezension von Claire Horst auf AVIVA-Berlin:

Die Hauptfigur von Terézia Moras neuem Roman ist den LeserInnen schon aus dem Werk "Der einzige Mann auf dem Kontinent" bekannt. Darius Kopp ist ein Einzelgänger, der neben seinem sinnlosen Job für eine Computerfirma nur seine Frau Flora zu seinem Lebensinhalt zählen kann, ansonsten lebt er seine Tage einfach ab.

"Das Ungeheuer" schließt einige Zeit später an den Vorgänger an: Flora ist tot ? sie hat sich das Leben genommen. Darius erwacht nur mühsam aus seiner Starre, die ihr Tod mit sich gebracht hat. Seinen Job hat er ebenfalls verloren. Einziger Grund zu leben sind die Tagebücher seiner Frau, die er zunächst aus dem Ungarischen übersetzen lassen muss. Schon hier zeigt sich, wie wenig er seine geliebte Frau eigentlich gekannt hat: Ungarisch spielte für sie längst keine Rolle mehr, das hat er zumindest bisher geglaubt.

Dass Flora ein Leben führte, in dem er selbst nur eine untergeordnete Rolle spielte, erkennt er zuerst an diesem Gebrauch ihrer Muttersprache, der ihn von ihren innersten Gedanken und Gefühlen ausschließt. Dass er in ihren Aufzeichnungen nur am Rande vorkommt, ist ein weiterer Schock. Statt Betrachtungen zum Leben mit Darius, zu ihrer gemeinsamen Liebe, ist im Tagebuch nur von den zerstörerischen Depressionen der Autorin die Rede. Die Leserin erfährt davon zeitgleich wie von Darius´ Leben ohne Flora: Beide Texte sind parallel gesetzt, getrennt von einem schwarzen Strich, der auch den Schlussstrich unter Darius´ altes Leben versinnbildlicht.

Mit der Asche seiner Frau im Gepäck macht er sich auf die Reise durch Osteuropa ? und wird so vom lethargischen Langweiler, den nur die Fürsorge seiner Frau am Leben gehalten hat, zum Helden eines Roadmovies, das sich mal tragisch, mal bitter und mal komisch liest.

Die Parallelerzählung der depressiven Flora wirkt nicht nur aufgrund der erzählten Inhalte so erschütternd. Flora konstatiert ihre Unfähigkeit, eine erfüllende Arbeit zu finden, das Leben zu genießen, zuletzt einfach zu funktionieren, listet seitenweise medizinische Fachtexte zur Depression auf. Allein das würde schon reichen, um die Leserin zutiefst zu bedrücken. Viel tragischer ist jedoch die Wechselwirkung mit der Erzählung um ihren Witwer. Denn der muss nicht nur erkennen, wie schlecht es seiner Frau jahrelang ging, sondern auch, wie egozentrisch er neben ihr gelebt hat, ohne ihr jemals beigestanden haben zu können.

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