Tine Plesch: Rebel Girl. Popkultur und Feminismus

Artikelnummer: 978-3-95575-002-2

Die im November 2004 verstorbene Journalistin, DJane und Radiomoderatorin Tine Plesch hat nicht nur frühzeitig die Bedeutung der Band Bikini Kill herausgestellt, sondern auch unzählige weitere feministische Themen im deutschen Popjournalismus lanciert...

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'Rebel girl, when she talks, I hear the revolution' (Bikini Kill)

Die im November 2004 verstorbene Journalistin, DJane und Radiomoderatorin Tine Plesch hat nicht nur frühzeitig die Bedeutung der Band Bikini Kill herausgestellt, sondern auch unzählige weitere feministische Themen im deutschen Popjournalismus lanciert; stets mit dem Enthusiasmus des Fans unter Beibehaltung eines kritischen Blicks. Viele ihrer Texte zu Riot Grrrl und Ladyfesten, elektronischer Musik und weiblicher Repräsentation, Gegenkultur und Gewalt oder Geschlechterverhältnissen in der Popkultur und im Popjournalismus haben bis heute nicht an Aktualität verloren.

Tine Plesch hat ihren Blick stets auf jene gerichtet, egal ob Frauen oder Männer, die sich nicht in bequeme Rollen gefügt haben, sondern aus Liebe zum Leben nach etwas Besserem Ausschau hielten. Auf Menschen, die auf der Suche waren, für die Leben kein abgeschlossener Prozess war, sondern ein Abenteuer mit offenem Ausgang. 'Kritische oder politische Popkultur muss, wenn sie diesen Impetus tatsächlich vertreten will, ihr eigenes Scheitern und ihre unabänderliche Eingebundenheit in die kapitalistische Popkulturindustrie stets mitdenken und tatsächlich auch thematisieren', hat Tine Plesch eingefordert und diesen Anspruch auch für die eigenen Texte zur Voraussetzung gemacht. Die Texte dieses Buches wurden zusammengestellt von Evi Herzing, Hans Plesch und Jonas Engelmann.

Mit einem Vorwort von Michaela Melián.

Autor*in / Hrsg.: Tine Plesch
Weitere Informationen: Weitere Hrsg.: Jonas Engelmann, Evi Herzing, Hans Plesch 
Umfang: 238 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 2 x 19.6 x 14.1
Gewicht: 310 g
Erscheinungsdatum: 04.09.2013

- Neue Fährten und Wege im Geflecht
- Tine (1959-2004)
- Die Suche nach dem Rebellischen im Pop
- Büste und Büstenhalter
- Die Frauenband, ein Mythos?
- Women in Rock Music: Times, They are A-Changing?
- Frauen in der Popkultur
- One of the boys - bloß besser. Zum 30. Todestag von Janis Joplin
- Schneewittchen versus Solex. Popmusik-Texte von Frauen
- Frauen? Humor? Popmusik?
- Angela Davis. Blues Legacies and Black Feminism. ­Gertrude »Ma« Rainey, Bessie Smith, and Billie Holiday
- Queens und Divas. Rhythm?n?Blues zwischen Kollektiv­traditionen, Individualitätsmythen und Geschlechterpolitiken
- »He hit me and it felt like a kiss«. Populärmusik, ­Geschlechterrollen und Gewalt
- Gender Trouble - Billy Tipton & ihr Leben als Mann. International Sweethearts of Rhythm
- Trinken, aber gar nicht immer übers Trinken schreiben
- Popmusikerinnen und Ladyfeste. Versuch einer Positionsbestimmung
- Die Heldin als Verrückte. Schreiben-Frauen-Wahnsinn am Beispiel dreier englischsprachiger Romane aus drei ­Jahrhunderten
Rezension von Philippa Schindler auf AVIVA-Berlin.de:

"Rebel girl - when she talks, I hear the revolution", singt die Riot-Grrrl-Band Bikini Kill Anfang der 90er Jahre. Auch heute gilt diese Liedzeile der viel zu früh verstorbenen Journalistin und Poptheoretikerin Tine Plesch und ihrer gerade erschienen Textsammlung zu Popkultur und Feminismus.

"Grundsätzliches gleich vorweg: Dieses Buch ist notwendig.", schreibt Tine Plesch in einer Rezension zum Thema postmoderner Feminismus. Und auch "Rebel Girl", ihr eigenes Buch, erschienen fast ein Jahrzehnt nach ihrem plötzlichen Tod, ist notwendig. Unbedingt notwendig sogar.

Popkultur, das ist heute wie damals die diskursiv geschriebene und mit ein bisschen Glamour und Glitzer versehene Überschrift für ein Allerlei an kulturellen Erzeugnissen. Klar, dass wir dabei zuerst an Madonna, Britney Spears oder Nick Hornby denken, doch der Begriff umfasst weit mehr als nur Musik und Literatur. Popkultur, das war auch immer schon ein Spiegelbild gesellschaftlicher Zustände - "wer sich anpasst und nicht aus dem Bild läuft, wird belohnt." Unabänderlich sind die Produktionsweisen des Pop eingebunden in das patriarchal-kapitalistische Gesellschaftssystem und was am Ende hinten raus kommt, ist in den allermeisten Fällen männlich codiert.

In "Rebel Girl" schreibt Tine Plesch gegen diese Schräglage des Geschlechterverhältnisses an, gegen die männerdominierte Musikszene im Pop und den "als Sexyness getarnten Sexismus". Für Frauen sieht es im Popbusiness nämlich nur dann gut aus, wenn sie "in halbvergessen geglaubten Sex-Objekt-Posen" den heteronormativen, männlichen Voyeurismus bedienen. Aus der popmusikalischen Kanonliste ohnehin ausgeklammert, finden sie sich so zumeist in der Randständigkeit wieder - oder aber am Katzentisch "Frauenband", eine Genrebezeichnung, die Tine Plesch in einem ihrer Texte ebenfalls scharf kritisiert.

Doch nicht nur im Mainstream-Pop, auch in der Poplinken macht Tine Plesch patriarchale Strukturen aus. Allzu häufig bequemt mensch sich dort mit dem Feminismus als Nebenwiderspruch und meint, solange es den Kapitalismus gibt, gäbe es zwangsläufig auch die Unterdrückung der Frauen. Diese Kluft zwischen politischem Anspruch und gelebter Realität thematisiert Tine Plesch in ihren Texten. Sie weist darauf hin, dass auch vielgepriesene politisch korrekte Musikszenen sich als weiße Männerwelt entpuppt haben und Frauen dort eher vor, als auf der Bühne in Erscheinung treten.

Dass es bei all der altbackenen Rollenverteilung und patriarchalen Ungleichheit aber auch "das Rebellische im Pop" gibt, auch davon zeugt Tine Pleschs Schreiben. Ihr Interesse gilt dann den Leerstellen in der Verwertungslogik der Popkultur und all jenen Unbequemen und Unbeugsamen, die sich dort ihr Plätzchen eingerichtet haben. Da ist zum Beispiel Billy Tipton, der in den 1930er Jahren als begnadeter Jazzmusiker um die ganze Welt zog, und der besonders nach seinem Tod für Schlagzeilen sorgte, als festgestellt wurde, dass es sich bei seiner Leiche um den Körper einer 74jährigen Frau handelte. Oder Dorothy Parker, deren literarische Werke zwar in keinem Kanon auftauchen, die den US-amerikanischen Männerverein um Hemingway und Fitzgerald mit ihrem spitzzüngigen Humor jedoch ganz schön aufmischte.

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