Tsültrim Allione: Tibets weise Frauen. Zeugnisse weiblichen Erwachens

Artikelnummer: 978-3-442-21931-5

Der Buddhismus ist wie alle Weltreligionen eine weitgehend männlich dominierte spirituelle Tradition. Immer wieder sind Frauen in ihrem Streben nach spiritueller Verwirklichung großen Widerständen begegnet und haben sich gegen eine Vielzahl von Vorurteilen zur Wehr setzen müssen.

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Ein faszinierender Einblick in das Tibet der Frauen.
Ein Standardwerk der weiblichen Spiritualität.

Der Buddhismus ist wie alle Weltreligionen eine weitgehend männlich dominierte spirituelle Tradition. Immer wieder sind Frauen in ihrem Streben nach spiritueller Verwirklichung großen Widerständen begegnet und haben sich gegen eine Vielzahl von Vorurteilen zur Wehr setzen müssen. Aber es gab und gibt sie - die erleuchteten Frauen.
Tsültrim Allione verdeutlicht anhand sechs faszinierender Lebensgeschichten von Frauen, die zwischen dem 11. und 20. Jahrhundert in Tibet lebten und den Buddhismus praktizierten, die besonderen Qualitäten weiblicher Spiritualität.


Autor*in / Hrsg.: Tsültrim Allione
Land im Fokus: Tibet
Religion: Buddhismus
Weitere Informationen: Goldmann/Blanvalet TB Bd. 21931
Originaltitel: The Women of Tibet
Übersetzt von: Ulli Olvedi
Umfang: 352 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 2.8 x 20.6 x 13.6 cm
Gewicht: 421 g
Erscheinungsdatum: 15.11.2010

~ LESEPROBE ~

MEINE LEBENSSPIRALE I

Die Wurzeln dieses Buches reichen zurück bis zu meiner Großmutter mütterlicherseits, Frances Rousmaniere Dewing, die mir, als ich fünfzehn Jahre alt war, ein Buch mit Zen-Gedichten schenkte. Sie war auf ihre Weise und in ihrer Zeit eine von Weisheit erfüllte Frau. Als vierte Frau in der Geschichte hatte sie ein Doktorat des Radcliffe-College erhalten. Ihr Gebiet war Philosophie, und sie war eine Freundin von William James und Khalil Gibran, der sie sehr bewundert und ein Porträt von ihr gemalt hat.

Sie war eine Freidenkerin und plante nicht, sich zu verheiraten, denn sie hatte sich entschlossen, sich ganz und gar einem intellektuellen Leben zu widmen. Sie lehrte am Wellesley-, am Mount-Holyoke- und am Smith-College und wurde von ihren Studenten so innig geliebt, dass diese sie noch besuchten, als sie schon hoch in den Achtzigern war. Sie begegnete meinem Großvater, Arthur Stone Dewing, bei einem philosophischen Seminar, als sie beide mit Studienarbeiten zu ihrer Doktorarbeit befasst waren, aber erst sechs Jahre später, als meine Großmutter fünfunddreißig Jahre alt war, traf sie die schwere Entscheidung, ihren Beruf aufzugeben und zu heiraten. Damals blieb den Frauen ja nichts anderes übrig, als zwischen Ehe und Beruf zu wählen. Mein Großvater war ebenfalls ein Philosoph, und zudem ein finanzielles Genie und eine sehr exzentrische Persönlichkeit. Er pflegte sich am Telefon mit einem Krähen wie ein Hahn zu melden; er trug Schlangen in seinen Taschen mit sich herum, hielt sich Krokodile in der Badewanne, Schildkröten im Hinterhof und schenkte meiner Mutter einen Bären als Schmusetier.

Sie hatten drei Töchter, Mary, Abigail und Ruth. Meine Mutter, Ruth, die jüngste Tochter, teilte die Liebe ihrer Mutter zu Ideen und ihren unabhängigen Geist. Sie wanderte mit einer Freundin durch ganz Südrussland, als sie neunzehn Jahre alt war, und ein paar Jahre später machte sie ihren Pilotenschein und arbeitete dann in der gewerkschaftlichen Tarifvermittlung.

Sie gab einen faszinierenden Beruf im Gewerkschaftsbereich auf, um meinen Vater zu heiraten, den Herausgeber einer Kleinstadtzeitung, und um Kinder zu bekommen. Es gelang ihr, auch meiner Schwester, meinem Bruder und mir die Liebe zu geistigen Abenteuern einzupflanzen und uns ein Gefühl für Kunst und Schönheit zu vermitteln. Ich glaube nicht, dass ihr der Entschluss zur Ehe leicht gefallen ist. Denn ich erinnere mich an ihre verzweifelten Versuche, an unserem chaotischen Esstisch so etwas wie eine 'gehobene Konversation' durchzusetzen. Obwohl wir damals alle über sie lachten, ist mir heute klar, dass dieser Versuch ein Zeichen für ihre Sehnsucht nach geistiger Nahrung war.

Ich vermute, dass es bei diesen Frauen in meiner 'Linie' kein Wunder ist, dass ich im Alter von neunzehn Jahren meine Universitätsstudien aufgab und mich auf eine planlose geistige Suche machte, die mich schließlich dahin führte, dieses Buch zu schreiben.

Im Juni 1967, neunzehn Jahre alt, flog ich mit meiner Freundin von der Universität von Colorado und spirituellen Schwester, Victress Hitchcock, von San Francisco nach Hongkong, um ihre Eltern zu besuchen, die damals zum diplomatischen Corps von Kalkutta gehörten. Wir reisten per Schiff von Hongkong nach Bombay, und dort wurden wir von kleinen Booten zur Küste gebracht, wo sie uns am Fuß einer langen Flucht von breiten Steintreppen absetzten. Als ich diese Stufen hinaufschritt, fühlte ich, dass ich endlich an dem Ort angekommen war, wo ich wahre Weisheit finden würde.

Während des Monsuns blieben wir bei Victress' Eltern in Kalkutta. Ihr Vater war der Generalkonsul, und seine Frau Maxine arrangierte für uns einen Volontärplatz in Mutter Teresas 'Waisenhaus und Heim für ledige Mütter'. Sie hoffte, dass uns diese Art von Arbeit die Phantasien über den 'mystischen Osten' austreiben und uns auf einen akzeptableren Weg führen würde; aber dann schickte sie uns nach Kathmandu, um mit tibetischen Flüchtlingen zu arbeiten.

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