Ulrike Busch, Daphne Hahn (Hrsg.): Abtreibung. Diskurse und Tendenzen

Artikelnummer: 978-3-8376-2602-5

Zwanzig Jahre nach der gesetzlichen Neuregelung zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland ist in den wissenschaftlichen Debatten sowohl eine merkwürdige Ruhe als auch eine problematisierende Perspektive zu konstatieren.

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Zwanzig Jahre nach der gesetzlichen Neuregelung zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland ist in den wissenschaftlichen Debatten sowohl eine merkwürdige Ruhe als auch eine problematisierende Perspektive zu konstatieren.

Die Beiträge des Bandes gehen den Hintergründen und Folgen nach. Siebzehn Autorinnen und Autoren, u.a. Cornelia Helfferich, Dagmar Herzog und Hartmut Kreß, analysieren wissenschaftliche und öffentliche Diskurse im Spannungsfeld zwischen zunehmender Akzeptanz der reproduktiven Selbstbestimmung einerseits und anhaltenden Moralisierungstendenzen andererseits, beleuchten die Schnittstellen zwischen dem Abtreibungsthema und reproduktionsmedizinischen und bioethischen Herausforderungen aus ethischer und juristischer Perspektive und diskutieren die Erfahrungen von Frauen sowie beteiligten Professionellen - auch unter Einbeziehung von internationalen Erfahrungen.

Leseprobe


Autor*in / Hrsg.: Daphne Hahn Ulrike Busch
Körperthemen: Abtreibung
Weitere Informationen: KörperKulturen
Umfang: 330 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 2.2 x 22.5 x 15 cm
Gewicht: 528 g
Erscheinungsdatum: 15.12.2014

~ LESEPROBE ~

Rezension auf dem Blog von Antje Schrupp:

Was macht eigentlich das Abtreibungsthema?

Neulich hat sich Katha Pollit in einem Artikel damit beschäftigt, dass die gesellschaftliche Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Ehen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich Aufschwung bekommen hat, während in Punkto Abtreibung die Tendenz wieder in Richtung auf mehr Restriktionen gegen Schwangere zu weisen scheint. Ihre Analyse bezieht sich auf die USA, aber auch in Deutschland lässt sich wohl so etwas Ähnliches beobachten. Ein von Ulrike Busch und Daphne Hahn herausgegebener Sammelband will die Diskussion auch hierzulande wieder ein bisschen in die Gänge bringen, und das ist gut so.

Das Buch versammelt Rück- und Überblicke über die Lage und den Diskurs. Dabei wird deutlich, dass die Diskussion letztlich mit dem letzten "Abtreibungsgesetz" 1990 zum Erliegen gekommen ist. Einerseits vielleicht verständlich: Zwar ist Abtreibung weiterhin im Prinzip nicht Entscheidung der Schwangeren selbst, sondern gilt als Unrecht, aber sie wird nicht strafrechtlich verfolgt und gilt bei Einhaltung bestimmter Verfahren oder bei vorliegenden Indikationen auch nicht mehr als gesetzwidrig. Konkret heißt das: Rein theoretisch ist zwar das Ziel der Frauenbewegung, nämlich das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung, nicht erreicht worden, ganz praktisch kann aber im konkreten Fall fast jede Frau, die abtreiben will, das auch tun. Also warum weiter aufregen?

Aber es kommt noch etwas anderes hinzu, und zwar die gespaltene Haltung von Feministinnen zur Frage der Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik. In den vergangenen 25 Jahren hat es in der Reproduktionstechnologie große Veränderungen gegeben. Und viele Feministinnen stehen dieser "Invasion" medizinischer Apparate in den Prozess von Schwangerwerden, Schwangersein und Gebären sehr skeptisch gegenüber. Auch in diesen Debatten geht es um die Haltung der Gesellschaft gegenüber dem "§ungeborenen Leben". Und offenbar finden viele es schwer zu begründen, wie man einerseits das "Recht auf Abtreibung" vertreten, andererseits aber gegen jegliche Art eugenischer "Selektion" (etwa von Embryonen) eintreten kann. Dabei kommt erschwerend hinzu - das wurde mir bei der Lektüre des Buches erst so richtig klar - dass gerade in Deutschland die Pro-Abtreibungs-Argumente in den 1980er Jahren noch ziemlich eng mit eugenischen Erwägungen durchzogen waren.

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