Ulrike Krampl, Mineke Bosch, Hanna Hacker (Hrsg.): Spektakel

Artikelnummer: 978-3-412-20896-7

»Spektakel« ist all das, was zur Schau gestellt und dem Blick anderer gezeigt wird. Zur-Schau-Stellungen (re-)produzieren einerseits Ordnungen der Geschlechter, erlauben aber auch eine Subversion sozialer Normen. Geschlechter-Theorien arbeiten vielfach mit »spektakulären« Konzepten...

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»Spektakel« ist all das, was zur Schau gestellt und dem Blick anderer gezeigt wird. Zur-Schau-Stellungen (re-)produzieren einerseits Ordnungen der Geschlechter, erlauben aber auch eine Subversion sozialer Normen. Geschlechter-Theorien arbeiten vielfach mit »spektakulären« Konzepten und Metaphern (Repräsentation, Parodie, Mimikry) und mit solchen, die dem Bereich des Theaters (enactment, Performativität, Maskerade) oder der Mode (self-fashioning) entlehnt sind. »Spektakel« dient hier als analytisches Instrument, um die Inszenierungsformen gesellschaftlicher Beziehungen zu erfassen.

Die Beiträge dieses Heftes suchen in feministischer und geschlechtertheoretischer Perspekte, ein solches Verständnis von »Spektakel« zu vertiefen.

Autor*in / Hrsg.: Mineke Bosch Ulrike Krampl Hanna Hacker
Weitere Informationen: L' Homme, Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft, 23. Jg. Heft 1
Umfang: 160 S.
Einband: Kartoniert
Gewicht: 368 g
Format: 241x 169x 210 mm
Erscheinungsdatum: 20.06.2012

Rezension von Hanna Heinrich auf querelles-net:

Bis an die Grenzen, aber nicht darüber hinaus!

Abstract: Die von Bosch, Hacker und Krampl herausgegebene Ausgabe von L'Homme ist dem Zurschaustellen als bewusst gewähltem Akt der Grenzauslotung und potentiellen Grenzüberschreitung, aber auch der damit einhergehenden Reproduktion der Geschlechterrollen gewidmet. Die Autor/-innen beleuchten dabei vor allem anhand verschiedener Lebensgeschichten unterschiedliche Möglichkeiten und Herangehensweisen, dem eigenen Leben einen spektakulären Aspekt und damit Möglichkeiten der Selbstermächtigung und Selbstdarstellung zu geben. Leider mangelt es den Texten an einem soliden theoretischen Fundament, beziehungsweise an klaren Begriffsdefinitionen, die für das Verständnis der Kategorie 'Spektakel' hilfreich gewesen wären, so dass eine schlüssige Einordnung der einzelnen Beiträge in den Gesamtkontext des Bandes ausbleibt.

Dem eigenen Leben ein spektakuläres Moment zu geben, um so die sozio-politischen und hegemonialen Grenzen des Seins, explizit des weiblichen Seins, auszudehnen und zu überschreiten, ist ein Projekt, das unabhängig von zeitlichen und kulturellen Parametern in Angriff genommen wurde und wird. Allein die Herangehensweise und die Ausgestaltung performativer und theatraler Praktiken unterscheiden sich gemäß dem gesellschaftlichen Umfeld ihres Erscheinens.
In diesem Band werden Biographien von Frauen vorgestellt, denen das Bestreben, sich Freiräume zu verschaffen und dafür unter anderem die Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem zu verwischen, gemein ist. Auch der diskursive Umgang mit Weiblichkeit jenseits des gesellschaftlich gewünschten und geforderten Frauenbildes wird beleuchtet, ebenso wie die patriarchale Konstruktion und Reproduktion von Weiblichkeitsidealen. In allen Texten dieser Ausgabe der Zeitschrift L?Homme - Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft werden konkrete Beispiele der Inszenierung von Geschlecht aus der Zeitspanne von der frühen Neuzeit bis ins ausgehende 20. Jahrhundert thematisiert. Begriffe wie Spektakel, Performativität, enactment, Repräsentation und Parodie eignen sich dabei in besonderer Weise, um geschlechtliche Stile, leiblichen Eigensinn und Authentifizierungsstrategien zu analysieren und in einem feministischen Kontext kritisch zu hinterfragen.

Zum Begriff 'Spektakel'

Um jedoch zu einer schlüssigen und in sich kohärenten kritischen Betrachtung des Konzepts 'Spektakel' in Anwendung auf die analytische Dekonstruktion konventioneller Dichotomien zu gelangen, wie es sich die Herausgeberinnen dieses Bandes zum Ziel gesetzt haben, bedarf es einer konkreten Definition. Diese sollte, wenn nicht einheitlich, so doch differenziert formuliert in den einzelnen Aufsätzen des Bandes Anwendung finden. Die konkrete Definition der Analysekategorie 'Spektakel', die die Aufsätze zu verbinden versucht, oder zumindest deren Problematisierung, durch die ein gezielter Blick auf die vorgestellten Beispiele ermöglicht würde - ob nun im Raum der Geschichtswissenschaften, der Medienwissenschaften, der Philosophie oder der Gender Studies -, sucht die Leser/-in jedoch vergeblich. Selbstverständlich können solche Begrifflichkeiten auf verschiedene Weise definiert und nutzbar gemacht werden. Um aber unter dem gemeinsamen Begriff 'Spektakel' in einem solchen Band ein einheitliches Ziel zu verfolgen und eben nicht nur ein Sammelsurium heterogener Aufsätze zu liefern, hätte es jeweils einer, wenn auch skizzenhaften Beschreibung dessen bedurft, was die einzelnen Autor/-innen im konkreten Fall unter der verwendeten Terminologie verstehen. So werden in den einzelnen Aufsätzen zwar spannende Aspekte spektakulärer Lebensentwürfe sowie gesellschaftliche Auffassungen dessen beleuchtet, was Weiblichkeit ausmachen sollte und ausmacht, der Begriff 'Spektakel' scheint aber vielfach wenig konkret, sozusagen als nebulöse Kategorie, zugrunde zu liegen. Eine einleitende solide inhaltliche Bestimmung der zentralen Begrifflichkeiten wäre hier von Vorteil.

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