Wendy Lower: Hitlers Helferinnen. Deutsche Frauen im Holocaust

Artikelnummer: 978-3-446-24621-8

Sie waren jung und sie waren ehrgeizig. Den deutschen Truppen, die in Polen, in die Ukraine und in Weißrussland einmarschierten, folgten Hunderttausende von Frauen.

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Sie waren jung und sie waren ehrgeizig. Den deutschen Truppen, die in Polen, in die Ukraine und in Weißrussland einmarschierten, folgten Hunderttausende von Frauen. Krankenschwestern waren dabei, Bürokräfte, aber auch die Ehefrauen von SS-Männern. Vielen von ihnen war eine Unterstützung im Hintergrund nicht genug. Sie griffen selbst zur Waffe, folterten und töteten Unschuldige. Nach dem Krieg wurden diese Taten verschwiegen und verdrängt.

Wendy Lowers Buch nimmt die unterschiedlichen Rollen von Frauen während des Genozids in den Blick: Sie zeigt sie als Zeuginnen, Komplizinnen und Täterinnen. Und sie erklärt, wie in einem Klima enthemmter Gewalt alle zivilisatorischen Tabus fallen.

Leseprobe


Autor*in / Hrsg.: Wendy Lower
Zeitepoche(n): 20. und 21. Jh.
Details: Originaltitel: Hitler's Furies.German Women in the Nazi Killing Fields
Übersetzt von: Andreas Wirthensohn
Umfang: 336 S., mit zahlreichen Abbildungen
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 2.7 x 20.8 x 13.4 cm
Gewicht: 433 g
Erscheinungsdatum: 28.07.2014

~ LESEPROBE ~

Weitere Ausgaben: Weitere Ausgaben: Kartoniert

Der Völkermord war auch Frauensache

Es ist, und bei näherem Nachdenken ist das eigentlich auch klar, ein falsches Bild der Frauen im Dritten Reich, diese vorwiegend als blonde Ehefrauen und Mütter in ein eher unschuldiges Licht zu tauchen. Nicht nur Magda Goebbels hätte, so sie nicht von ihrem Mann und Hitler selbst deutlich gebremst worden wäre, sicherlich gerne an erster Linie gestanden, um die abstrusen Werte des Nationalsozialismus aktiv voranzubringen.

Ihre Kinder in den Tod zu schicken ist da nur die Spitze des Eisbergs einer Überzeugungstäterin, die ebenso kühl zu morden verstanden hat.

Und hinter dieser offiziell "ersten Frau um Staate" scharten sich eben nicht die Mädchen aus dem BDM und gefügige, brave Ehefrauen von Funktionsträgern, sondern Herrscharen von Täterinnen in vielfacher Hinsicht.

Sekretärinnen, Buchhalterinnen, Aufseherinnen in den KZ, Frauen, die überzeugt von ihrem ideologischen Handeln waren ebenso wie Frauen, die Chancen auf Karriere witterten.

Wie weit aber die Beteiligung von Frauen ging, wie auch Frauen kalt töteten, folterten, das System beförderten, sich ebenso kühl von flehenden Häftlingen abwandten, wie sie an Massengräbern standen, das nimmt dem Leser dieses Buches stellenweise den Atem.

Auf der Basis nun auch russischer, erst seit kurzem zugänglicher, Quellen öffnet die Professorin der Geschichte Wendy Lower ein Bild des Grauens, dass in dieser Weise weder bis dato breit aufgearbeitet noch überhaupt breit bekannt geworden ist.

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Rezension von Laura Fricke auf AVIVA-Berlin:

13 weibliche Biografien - sie stehen stellvertretend für Hunderttausende Frauen, die sich am Krieg und am Holocaust in Osteuropa und Deutschland beteiligten. Mit ihnen befasst sich die Professorin und Geschichtswissenschaftlerin Wendy Lower in ihrem mit dem National Book Award 2013 ausgezeichneten Sachbuch.

"Für ehrgeizige junge Frauen eröffneten sich im entstehenden NS-Imperium im Ausland neue Möglichkeiten voranzukommen."

Lower zeigt anhand der 13 weiblichen Biografien, welche unterschiedlichen Hintergründe das "Mitmachen" hatte und wie die Beteiligung in der "Vernichtungsmaschinerie" aussah. Denn das Täterinnensein trug unterschiedliche Formen: Sekretärinnen für SS oder SA konnten mitunter sogar selbständig über Schießbefehle entscheiden, andere töteten als Krankenschwestern mit Spritzen und Pillen diejenigen, die nach NS-Ideologie als "unwertes Leben" betrachtet wurden. Wieder andere Frauen griffen als KZ-Mitarbeiterinnen oder aus blankem Sadismus selbst zur Waffe um Menschen in den Ghettos zu töten. Zur letzten Kategorie gehörte unter anderem die im Buch porträtierte Johanna Altvater, die in der Ukraine mehrfach behinderte Kinder in Heimen von Balkons und aus den Fenstern warf und Kleinkinder mit Süßigkeiten anlockte, um ihnen dann in den Mund zu schießen.

"Von den zehntausend verheirateten Frauen, die in den verschiedenen Büros von Militär, Verwaltung und Privatfirmen in den besetzten Ostgebieten [arbeiteten] ist die größte Kategorie: die Zuschauerinnen [...]. Es handelte sich um deutsche Patriotinnen, die ihrer zivilen Tätigkeit nachgingen. Sie waren neugierig: Sie suchten das Abenteuer."

Lower legt, wie schon die Autorin Kathrin Kompisch in ihrer Buchveröffentlichung "Täterinnen. Frauen im Nationalsozialismus" die Motive der "Helferinnen" dar für die Beteiligung an Krieg und Tötung

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