Wir Frauen 4/2016 "Literatur"

Artikelnummer: wirfrauen4_2016

Waren Sie schon mal auf einer Buchmesse? In Leipzig oder Frankfurt? Oder auf einem Literaturfestival wie der lit.cologne? Bücher, Menschenmassen, unzählige Veranstaltungen, die frau gar nicht alle besuchen kann. In den letzten Jahren hat sich echt was getan in der Branche, könnte frau denken. Allein schon wegen dieser vielen Literaturevents in fast jeder Großstadt. Und Frankfurt ist ja sowieso eine coole Nummer, da wird gefeiert und verhandelt und es gibt viele, viele Auszeichnungen und Preise. Die Leipziger Buchmesse gilt als Publikumsmesse, in Frankfurt trifft sich die Branche.
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Waren Sie schon mal auf einer Buchmesse? In Leipzig oder Frankfurt? Oder auf einem Literaturfestival wie der lit.cologne? Bücher, Menschenmassen, unzählige Veranstaltungen, die frau gar nicht alle besuchen kann. In den letzten Jahren hat sich echt was getan in der Branche, könnte frau denken. Allein schon wegen dieser vielen Literaturevents in fast jeder Großstadt. Und Frankfurt ist ja sowieso eine coole Nummer, da wird gefeiert und verhandelt und es gibt viele, viele Auszeichnungen und Preise. Die Leipziger Buchmesse gilt als Publikumsmesse, in Frankfurt trifft sich die Branche.

Aber was ist das für eine Branche, die sich jedes Jahr um etwa 90.000 Neuerscheinungen kümmert? Wer sind all diese Verleger*innen und Autor*innen und Drucker*innen und Buchbinder*innen und Grafiker*innen und Vertriebler*innen und Buchhändler*innen? Allerorten hört frau doch vom großen Sterben der Buchhandlungen, also der von Inhaber*innen geführten. Wie sieht es damit aus? Eigentlich positiv: In Deutschland gibt es etwa 3.700 unabhängige Buchhandlungen, und auch wenn die Zahlen insgesamt rückläufig sind, gibt es immer wieder Neugründungen. Und das ist gut so.

Immer wieder wird sorgenvoll betont, dass ja alle Bücher im Internet kaufen statt lokal/regional und dass dieses Kaufverhalten den Einzelhandel vor Ort ruinieren wird. Was viele der Internet-Käufer*innen nicht wissen: Die meisten Buchhandlungen haben bereits eigene Onlineshops, in denen frau die ganze Nacht hindurch fröhlich bestellen kann (das sogenannte Cross-Channeling). Damit generieren viele dieser Buchhandlungen einen Teil ihres Umsatzes, der aber lange nicht den Hauptteil ausmacht. Der läuft nach wie vor über die Ladentheke. Frauen kaufen übrigens mehr Bücher als Männer (61 Prozent von ihnen mehr als 14 Bücher im Jahr, so eine Studie des Deutschen Börsenvereins). Außerdem lesen sie vielfältiger, Männer hingegen eher bestimmte Genres wie Krimi oder Thriller. Und noch etwas wissen viele nicht: Buchhandlungen bieten E-Books an, frau kann sie dort kaufen - wenn sie den E-Reader Tolino hat (das ist das Lesegerät mit dem offenen System). Interessant ist, dass der Anteil von E-Books immer noch deutlich unter 10 Prozent liegt. Trotzdem gilt: Der Trend bleibt beim gedruckten Buch. Eine gute Voraussetzung dafür, dass die Branche stabil bleibt und das Kulturgut Buch sich nicht in ein digitales Staubwölkchen verwandelt.

Derzeit prägen die Auseinandersetzungen über das Urheberrecht, die Buchpreisbindung und die Rückzahlungen der Verlage an die VG Wort die Diskussion über die Buchbranche. Dabei sollte bedacht werden: Urheberrecht und Buchpreisbindung sichern nicht zuletzt den Autor*innen ein Einkommen durch den Verkauf ihrer Bücher und durch Nebenrechte. In Deutschland können sich Autor*innen und überhaupt Künstler*innen über die Künstlersozialkasse (KSK) versichern. Jedes Jahr gibt die KSK Zahlen heraus zum durchschnittlichen Jahreseinkommen der einzelnen Versicherungsgruppen. Die in der Rubrik 'Wort' Versicherten, aufgeteilt nach Altersgruppen, verdienen - wer hätte es gedacht - nach Geschlecht unterschiedlich. In der Altersgruppe 40-50 beispielsweise Männer 23.602 Euro durchschnittlich im Jahr, Frauen hingegen 16.720 Euro. Diese 16.720 Euro gelten für 12 Monate, das sind 1.393 Euro im Monat. Und bei den Männern sind es keine 2.000 Euro. Da zeigt sich mal wieder, dass Autor*innen nun wirklich nicht das große Geld scheffeln. Und wie wichtig der Equal Pay Day ist.

Bei all diesen Themen stellt sich die Frage, wie es in der Buchbranche um die Frauen steht. Wie ist der Gender-Blick auf die Szene? Muss sich jede Autorin immer noch das Vorurteil anhören, ihre Literatur sei 'Frauenliteratur', weil von einer Frau geschrieben? Und im Umkehrschluss wäre dann natürlich ein Buch von einem Autor 'Männerliteratur', oder? Um dieses Stereotyp nicht weiter zu tradieren, widmen wir uns in diesem Schwerpunkt nicht mehr der Diskussion des Begriffs 'Frauenliteratur?. Und wir haben bewusst darauf verzichtet, Texte von Autorinnen abzudrucken, denn wir sind keine Literaturzeitschrift. Da gibt es genug andere Möglichkeiten.
Stattdessen präsentieren wir einen Marktplatz der Initiativen, die Bloggerin Sophie Weigand erzählt, was Literaturblogs sind und wir berichten von den Poetischen Experimenten der Autorinnenvereinigung, die in diesem Jahr in Düsseldorf stattfanden. Elisabeth Roters-Ullrich beschäftigt sich mit der sozialen Lage von Schriftstellerinnen und wir schauen uns mal die Vergabe von Literaturpreisen unter dem Gender-Aspekt an.

Von Mechthilde Vahsen

Details:

Umfang: 35 S.
Format: A4
Gewicht: 109 g
Erscheinungsdatum: 07.12.2016

Die Zeitschrift wird direkt von den Herausgeberinnen versandt. Der Preis enthält deshalb bereits die Versandkosten.

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