Yoko Tawada: Ein Balkonplatz für flüchtige Abende

Artikelnummer: 978-3-88769-555-2

Yoko Tawada erzählt von einer 'Loreley', die sich im Fluss irrt und an der Elbe landet, in Hamburg in den 80er Jahren. Die Identitäten der Figuren in diesem Text sind fließend, zwischen Mann und Frau, Hetero und Homo, Kindheit und Erwachsene-Sein.

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Yoko Tawada erzählt von einer 'Loreley', die sich im Fluss irrt und an der Elbe landet, in Hamburg in den 80er Jahren. Die Identitäten der Figuren in diesem Text sind fließend, zwischen Mann und Frau, Hetero und Homo, Kindheit und Erwachsene-Sein. 

Jede Öffnung in der Landschaft entpuppt sich als ein Durchgang zu einer anderen Welt: Der Keller in einer Kneipe führt in die islamische Welt, ein botanischer Garten zum Theater, die Elbe zum Rhein, ein Foto im Zimmer nach Tibet. Dieser Text ist wie Wasser, fließender und freier als Prosa, aber doch ein erzähltes Werk, keine Lyrik.

Autor*in / Hrsg.: Yoko Tawada
Details: Umfang: 126 S., 15 Illustr., gestanzte Bilder
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 1 x 20.5 x 12.6 cm
Gewicht: 155 g 
Erscheinungsdatum: 31.10.2016
 

Rezension von Claire Horst auf AVIVA-Berlin:

Ein Roman, in dem der Berliner Eisbär Knut als denkender und sprechender Protagonist auftaucht? Wer ein einziges Mal die hingerissene Knut-Fangemeinde erlebt hat, die zu dessen Lebzeiten Zoo, Talkshows und Radiosendungen unsicher machten, hat an diesem Plot wahrscheinlich zunächst wenig Interesse - es sei denn, sie oder er gehört selbst zu den Knut-VerehrerInnen.

Weil dieser Roman aber von Yoko Tawada stammt, bleibt die Geschichte von Knut und einigen weiteren Eisbären vollkommen frei von jeder Niedlichkeitsattacke, verzichtet auf Berliner Lokalkolorit und folgt eher den Spuren der KritikerInnen an dem seltsamsten Starkult des letzten Jahrzehnts als diesen noch weiter zu beflügeln.

Während Tawadas Knut ein Naivling ist, hilflos auf seinen Pfleger angewiesen und von anderen Tieren im Zoo belächelt und verlacht, sind seine weiblichen Vorfahren starke Persönlichkeiten. Die Großmutter ist eine Tanzbärin in der UdSSR, die die Zirkuslaufbahn aufgibt, zur Büroangestellten und später erfolgreichen Autorin wird. Ihren Alltag verbringt sie auf Konferenzen zur "Bedeutung der Fahrräder für die Volkswirtschaft" oder über die "Arbeitsbedingungen der Künstler". Eine Parodie auf die Planwirtschaft, die auch die Kunst nur als Mittel der Revolution zulassen will? Oder doch eher eine märchenhafte Variante der Migrationsgeschichte vieler deutschsprachiger SchriftstellerInnen?

Mit ihrem Schicksal als Autorin hadert diese Bärin zumindest genauso, wie es jede menschliche Schriftstellerin tut: "Die Schriftstellerei war eine Akrobatik, die gefährlicher war als der Tanz auf einem dahinrollenden Ball.", oder: "Das Schreiben kostete mich genauso viel Kraft wie eine Jagd." Und auch das Gefühl der Bärin, sich in einer vollkommen neuen Welt zu bewegen, lässt sich nicht nur auf in zwei Sprachen schreibende Autorin Tawada übertragen: "Über zehn Jahre lang arbeitete ich pausenlos in einer Hitze, die keinen Winter zuließ. Alles, was mich belastete und verletzte, verwandelte sich sofort in Dünger für meine Karriere. (...) Mein Repertoire wurde immer breiter, mein Wortschatz immer größer, aber ich erlebte nie wieder eine so große, erhellende Überraschung wie damals, als ich zum ersten Mal begriff, was die Bühnenkunst bedeutete."

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