Yoko Tawada: Mein kleiner Zeh war ein Wort

Artikelnummer: 978-3-88769-781-5

Alle zwölf Theaterstücke, die die Autorin Yoko Tawada bis September 2012 verfasst hat.

15,00 €

inkl. 7% USt. , zzgl. Versand

Lieferzeit: 6 - 10 Werktage



Alle zwölf Theaterstücke, die die Autorin Yoko Tawada bis September 2012 verfasst hat.

Inhalt:

DIE KRANICHMASKE
DIE BEI NACHT STRAHLT
S. 9
WIE DER WIND IM EI
S. 37
ORPHEUS ODER IZANAGI ?
DIE RÜCKKEHR AUS DEM REICH DER TOTEN
S. 57
TILL
S. 79
SANCHO PANSA
S. 123
SCHWARZEIS
S. 147
PULVERSCHRIFT BERLIN
S. 171
ICH WOLLTE NUR GELD, BEKAM ABER DIE WAHRHEIT
S. 187
WAS ÄNDERT DER REGEN AN UNSEREM LEBEN?
S. 195
DEJIMA
S. 237
MEIN KLEINER ZEH WAR EIN WORT
S. 253
KAFKA KAIKOKU
S. 271
MAMMALIA IN BABEL
S. 289

Die Stücke nehmen uns mit auf eine abenteuerliche Reise, nicht in exotische Fernen, sondern in (Traum-) Welten mitten im Alltag, in der Sprache. Es spielen mit: Tiere, Pflanzen, Dinge, Gespenster, Menschen und Stimmen. Und was gefiel Kindern an der Aufführung? Annika, Carina und Sara sind sich einig: 'Alles!'
(Flensburger Tageblatt)

Die Theatertexte von Yoko Tawada behandeln alles mit Leichtigkeit - auch die Abgründe - sie sind konkret und zugleich philosophisch und lassen den Gedanken beim Lesen Raum.
In einem Stück hinterfragen Tiere ihr Leben mit den Menschen. In einem anderen Stück hat eine Familie ihr Haus verloren und richtet sich neu ein, baut sich ein Haus aus Buchstaben, ist befreit von den Gewohnheiten und dem Gewöhnlichen, kann sich nun den wichtigen Fragen stellen: Ob Wasser in dem Wort Dusche läuft? Warum man Zeh nicht C schreibt? Wie man das Loch im Himmel zunäht? '. das Alphabet als Welt, jeder Buchstabe ein Wort und der Beginn einer Szene, das Spiel damit fügt sich zu einem kleinen Kosmos als Theater der erzählten Dinge.'
(Thomas Irmer, für die Auswahljury des Mülheier KinderStückePreises 2011)

'Beim Schreiben scheint sie sich über die Sprache zu wundern, die so wunder-bar wird! Und sie lädt ein, uns über unsere Gewohnheiten zu wundern.'
(Pilkentafel)

Autor*in / Hrsg.: Yoko Tawada
Kunst: Theater
Weitere Informationen: 12 Theaterstücke
Umfang: 320 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 2 x 20.6 x 13.4
Gewicht: 533 g
Erscheinungsdatum: 15.03.2013

~ LESEPROBE ~

Einige Pressestimmen zu einzelnen Stücken aus dem Buch:

Zu 'Die Kranichmaske die bei Nacht strahlt': 'Geheimnisvoll und fremdartig. Über Eros und Sprache und das Leben zwischen zwei Kulturen.'
(Die Welt)

Zu 'Orpheus und Izanagi': 'Das Erfrischendste, das, bei dem das Publikum am meisten lachte, war Yoko Tawadas ,Orpheus und Izanagi'.'
(Frankfurter Rundschau, Bericht über die Hörspieltage Berlin)

'Die Geschichte vom Sänger Orpheus, dem es durch die Schönheit seines Gesanges nur beinahe gelingt, seine verstorbene Gattin Eurydike dem Reich der Toten wieder zu entreißen: Ein Mythos, der ausschließlich zum europäischen Abendland zu gehören scheint. Jedoch - wie oft in Fällen altüberlieferter Epen und Mythen - gibt es außereuropäische Varianten. aus Japan wird ein ähnlicher Versuch überliefert. Im Buch Kojiki (8. Jh.) will Izanagi seine Frau Izanami aus dem ,Land der Toten' wieder zurückholen. Yoko Tawada hat in ihrem ersten Originalhörspiel auf alle Mythen gleichzeitig zurückgegriffen und lässt ein ebenso überraschendes wie poetisches Orpheus-Bild entstehen.'
(SWR)

Zu 'Mein kleiner Zeh war ein Wort':

'Alles ist anders, wenn das Haus nicht mehr dort steht, wo es vorher war. Wenn Kühlschrank und Dusche fehlen und der Mond durch kein Dach mehr scheint. Elisabeth Bohde und Torsten Schutte präsentieren anhand des Alphabets ein Wort- und Buchstabenspiel randvoll mit Witz und Geheimnissen des sprudelnden alltäglichen Lebens. Die Mischung aus Naivität, Verwunderung und spielerischem Entdecken bietet eine Fülle von Möglichkeiten, mit Kindern zu kommunizieren. Nicht nur die Autorin ist offensichtlich sehr angetan von der Umsetzung ihres poetischen Textes. Auch Henning Fangauf vom ,Kinder- und Jugendtheaterzentrum' war aus Frankfurt angereist und lobte die Arbeit, die er seit Jahren miterlebt. Und was gefiel den Kindern selber an der Aufführung? Annika, Carina und Sara sind sich einig: ,Alles!' '
(Stefanie Oeding, Flensburger Tageblatt, 21.06.2010)
Rezension von Claire Horst auf AVIVA-Berlin:

Wörter als reines Rohmaterial, aus dem sich Aussagen zusammenbauen lassen: Diese pragmatische Sicht auf die Sprache teilt Yoko Tawada nicht. Ihre Texte machen deutlich, dass jedes Wort mehr als eine Bedeutung hat, dass es sich lohnt, beim Schreiben innezuhalten und nachzuhören, was eigentlich noch alles in diesem Begriff oder jener Wendung steckt.

Vielleicht hängt diese sprachliche Sensibilität damit zusammen, dass Tawada in zwei Sprachen schreibt. In einem Interview sagte sie einmal: "Wenn ich auf Deutsch schreibe, vergesse ich Japanisch, das heißt ganz feine Gefühle, sprachinnerliche Gefühle, die ja komplizierter, komplexer sind als die Grammatik, gehen verloren. Und daher verliere ich Japanisch, während ich Deutsch schreibe, und dann muss ich das wiedergewinnen. (...) Das klingt für die ganz sesshaften Menschen, die nur eine Identität haben, vielleicht etwas defekt, etwas verschoben oder komisch, aber genau das ist es, was uns, also Menschen, die mit mehreren Sprachen zu tun haben, interessiert. Und das kann man gewinnen dadurch, dass man kein absolutes Vertrauen zu einer einzigen Sprache hat."

Was bedeutet es eigentlich für meine Wahrnehmung der Dinge, wenn ein Objekt einen Artikel, also ein Geschlecht hat? Wenn mein Körper zu einem hohen Prozentsatz aus Wasser besteht, werde ich dann Europäerin, wenn ich genug europäisches Wasser getrunken habe? Mit derlei Fragen nach Sprache und Identität beschäftigten sich schon die ersten Texte der vielfach ausgezeichneten Autorin.

In Tawadas Hausverlag Konkursbuch ist jetzt eine Sammlung von zwölf Theaterstücken erschienen, die teilweise schon auf Theaterfestivals aufgeführt wurden, das älteste bereits 1993. Einige davon richten sich an Kinder und Jugendliche - wie alle ihre Texte haben aber auch diese vermeintlich einfachen Stücke eine philosophische Ebene, die die Leserin ins Grübeln bringen kann. Was bedeutet die Kranichmaske, die ein Schauspieler in einem Stück auf- und wieder absetzt? Wofür steht eine Diskussion darüber, ob nun lieber der Schreibtisch oder der Kleiderschrank gegessen werden soll? Welche Bilder entstehen in meinem Kopf, wenn ich das Gehörte nicht übertragen kann? Was bedeutet es für meine Rezeption, wenn ich die Gestalten aus der japanischen Mythologie nicht kenne, die in einigen Texten auftauchen? Eine eindeutige Auflösung gibt es nicht.

Auf die Spitze getrieben wird diese Unlösbarkeit in dem Stück "Till", das sich - nicht überraschend bei der promovierten Literaturwissenschaftlerin Tawada - natürlich auf Till Eulenspiegel bezieht. Laut Regieanweisungen muss das in Niedersachsen spielende Stück zweisprachig aufgeführt werden: Die deutsch sprechenden Personen kommen aus dem Mittelalter, die japanisch sprechenden sind TouristInnen. Wie diese Figuren verstehen auch die meisten ZuschauerInnen nur die Hälfte, bleibt immer ein unverständlicher Rest. Anders als die Theaterbesucherin kann die Leserin die Übersetzung lesen - fraglich ist nur, ob das zum Verständnis des Werkes beiträgt. Denn es ist gerade die Unübersetzbarkeit, die Rätselhaftigkeit, die Tawada am meisten interessiert.

Mit interkulturellen Missverständnissen hat das allerdings weniger zu tun. Denn die Schwierigkeit, Bedeutungen zu erfassen, die Sprache so einzusetzen, dass die anderen mich verstehen, besteht immer, unabhängig von der Sprache. Und selbst innerhalb einer einzigen Person gibt es unterschiedliche Stimmen mit unterschiedlichen Zielen und Prägungen - in Tawadas Stück "Schwarzeis" sprechen dann auch "Vier Stimmen in einer Frau", bezeichnet mit den Zahlen 1 bis 4.

AVIVA-Tipp: Tawada zu lesen, ist anstrengend und zugleich ein ästhetisches Erlebnis. Ihre Texte erfordern hohe Konzentration. Wenn die gegeben ist, ist es sehr anregend, ihr auf verschlungenen assoziativen Pfaden von einer Eingebung zu nächsten zu folgen. Zu diesem Erlebnis trägt auch die grafische Umsetzung durch den Verlag bei: Neben zahlreichen farbenfrohen Illustrationen finden sich auch Zeichnungen und mehrfarbige Schrift.

» AVIVA-Berlin

Durchschnittliche Artikelbewertung

Geben Sie die erste Bewertung für diesen Artikel ab und helfen Sie Anderen bei der Kaufenscheidung: