Sabine Hark, Paula-Irene Villa (Hrsg.): Unterscheiden und herrschen. Ein Essay zu den ambivalenten Verflechtungen von Rassismus, Sexismus und Feminismus in der Gegenwart

Artikelnummer: 978-3-8376-3653-6

Mit der Kölner »Nacht, die alles veränderte« ist einiges in Bewegung geraten. Vielleicht sind Bewegungen auch nur sichtbarer geworden. Feministische Anliegen finden zwar verstärkt Gehör, doch dies ist eng verwoben mit neuen Rassismen und der Kulturalisierung sozialer Ungleichheiten.

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Mit der Kölner »Nacht, die alles veränderte« ist einiges in Bewegung geraten. Vielleicht sind Bewegungen auch nur sichtbarer geworden. Feministische Anliegen finden zwar verstärkt Gehör, doch dies ist eng verwoben mit neuen Rassismen und der Kulturalisierung sozialer Ungleichheiten. Eine der hier auffälligsten Paradoxien ist die Mobilisierung von Gender, Sexualität und einer Vorstellung von Frauenemanzipation durch nationalistische und fremdenfeindliche Parteien sowie durch konservative Regierungen zur Rechtfertigung rassistischer bzw. islamfeindlicher Ausgrenzungspolitiken. Wollen wir dagegen verstehen, wie unsere gesamte Lebensweise in Kategorien der Über- und Unterordnung gefasst ist und wie diese feinen Unterschiede Handeln, Einstellungen und Gefühle aller bestimmen, dann gilt es, Sexismus, Rassismus und Heteronormativität nicht als voneinander unabhängige soziale Teilungsverhältnisse zu untersuchen. Die Analyse komplexer Wirklichkeiten erfordert ein Nachdenken, das die wechselseitige Bedingtheit verschiedener Differenzen in den Blick nimmt.

»Against those who would pit a feminism for white women against migrant communities and a multi-racial feminism, this brave and brilliant work of critical feminism refuses to be divided from its allies, conquered by those who would appropriate and defame feminism itself. This work is not only a model for socially engaged critique for our times, but thought set into action, mobilizing for the future of difference.« (Judith Butler)

»Ein hochaktueller und überfälliger Text zur rechten Zeit. Er wendet sich gegen jede totalisierende Rhetorik, schafft notwendige Klärungen, ohne einfache Auflösungen zu bieten, ohne Kontroversen zu scheuen und ohne in besserwisserische Gesten zu verfallen. Und er führt die heute wieder auftauchende Meinung ad absurdum, Feminismus müsse nicht studiert werden.« (Christina Thürmer-Rohr)

Leseprobe


Autor*in / Hrsg.: Sabine Hark Paula-Irene Villa
politische Themen: Homophobie_Transphobie Rassismus & kulturelle Hegemonie
weitere Themen: Sexismus
Details: X-Texte zu Kultur und Gesellschaft 
Umfang: 176 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 1.2 x 22.5 x 15 cm
Gewicht: 301 g
Erscheinungsdatum: 18.07.2017

~ LESEPROBE ~

Rezension von Alexandra Scheele auf pw-portal:

"Was macht den Begriff 'Gender' derart kontrovers?" (7) fragen die Herausgeberinnen gleich zu Beginn - womit deutlich wird, worum es in diesem zeitdiagnostischen Sammelband geht. Anlass ist eine starke öffentliche Abwehr von Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik. Diese richtet sich sowohl inhaltlich gegen die mit dem Gender-Begriff verbundene Infragestellung der Annahme "einer gegebenen, unveränderlichen und naturhaften Essenz der Geschlechterdifferenz" (8) als auch gegen die universitäre Etablierung von Professuren mit einer Gender-Denomination. Darüber hinaus werden auch gesetzliche Gleichstellungsmaßnahmen zurückgewiesen. Sabine Hark und Paula-Irene Villa setzen sich in ihrem Beitrag mit den im Feuilleton und im Internet publizierten Beiträgen auseinander, die Gender-Forschung als unwissenschaftlich diffamieren und zugleich deren vermeintliche Dominanz im Wissenschaftssystem und in der Politik beklagen. Wie Steffen K. Herrmann aufzeigt, wird in vielen Beiträgen sprachliche Gewalt ausgeübt. Kathrin Ganz und Anna-Katharina Meßmer machen auf die Verrohung des öffentlichen Diskurses im Internet aufmerksam. Dass diese sprachliche Gewalt nicht selten mit persönlichen Angriffen auf Geschlechterforscher_innen verbunden ist, wird in einigen Beiträgen problematisiert.

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Rezension von Christine Langer auf Aviva-Berlin:

Von Genderbashing in den sozialen Medien bis hin zu Protestbewegungen christlich-fundamentalistischer und rechter Gruppierungen gegen Gleichstellungspolitiken und pluralistische Lebensmodelle - eine erstmalige Zusammenstellung sozial- und kulturwissenschaftlicher Auseinandersetzungen mit einem zunehmenden "Anti-Genderimus".

Warum werden ausgerechnet Geschlechtergleichstellungspolitiken, Gender Studies sowie Wissenschaftler_innen, die sich mit diesen Thematiken beschäftigen, in renommierten Zeitungen als auch in sozialen Netzwerken und Blogs zunehmend diskreditiert? Welche sozialen Bewegungen, Konzepte, Denkmuster und Politiken stecken dahinter? Diesen Fragen gehen die Autor_innen in dem Sammelband, herausgegeben von Sabine Hark und Paula-Irene Villa, in 14 Artikeln mit unterschiedlichen Ansätzen nach. Das Phänomen "Anti-Genderismus" wird dabei erstmals aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Perspektive in Deutschland als auch in anderen ausgewählten europäischen Ländern analysiert.

Unter dem Begriff "Anti-Genderismus" wird eine abwehrende Haltung gegenüber dem Konzept "Gender" verstanden. Anhänger_innen des "Anti-Genderismus" werfen dabei der "Gender-Ideologie" vor, dass sie zum Ziel habe, die Gesellschaft umzuerziehen und Zweigeschlechtlichkeit als auch Heterosexualität zu verbieten. Den Gender Studies wird wiederholt Unwissenschaftlichkeit und übertriebene "Political Correctness" vorgeworfen.
Im Zuge der Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Diffamierungen als auch absichtlichen Fehlinterpretationen von Gender und queer-feministischen Theorien sowie von Gleichstellungspolitiken werden verschiedene Facetten des "Anti-Genderismus" aufgedeckt. Ein gemeinsames Merkmal in den meisten Artikeln ist die Konstruktion eines Bedrohungsszenarios, das aufgrund einer real existierenden Angst vor dem Verlust der heteronormativen Hegemonie sowie Veränderungen der sozialen Ordnung und einer kollektiven nationalen Identität wirkmächtig ist. "Anti-Genderismus"-Diskurse können somit auch als Reaktionen auf vielschichtige gesellschaftliche und sozialstaatliche Veränderungen verstanden werden.

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